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  • “Mein nächster traum: die graphischen und kommerziellen web-daten der endkunden zu integrieren!” Georg Billert (Impuls Küchen & Pures Bad)

11/12/2017

“Mein nächster traum: die graphischen und kommerziellen web-daten der endkunden zu integrieren!” Georg Billert (Impuls Küchen & Pures Bad)

Als gesellschaftender Geschäftsführer der zwei KMUs « Impuls Küchen » und « pures Bad », die sich in der Möbelindustrie spezialisiert haben, verkörpert Georg Billert den „Industrie 4.0.-Entrepreneur“

Michel LANFRANCAwarum haben Sie sich dafür entschieden, Ihren Betrieb mit einem „Industrie 4.0“ Projekt zu verändern?

Georg Billert : ich habe mich dafür entschieden, diese Transformation voran zu treiben, um einen Traum, den ich seit Jahreszehnten teile, zu verwirklichen: die Transparenz der Kundendaten über die ganze Wertschöpfungskette. Dieses Projekt schien mir essenziel in einer Zeit, in der Reklamationsvermeidung und Verschwendung von Ressourcen im Vordergrund stehen. Meine zusätzliche IT-Ausbildung hat wahrscheinlich meine Funktion als Geschäftsführer gut ergänzt, um meine Entscheidung in diese Richtung zu bestätigen.

M.L. : während meines Besuchs bei Ihnen am Standort Brilon wurde ich überrascht, dass die Zahl von Mitarbeitern im Bereich Logistik so groß war wie im Shop-Floor…?

G.B. : Das Projekt zielte die Vernetzung von einzelnen Prozessen durch die Digitalisierung zu einem gesamten, durchgängigen Prozess. Alle Informationen, sowohl grafisch als auch kommerziell, vom Endkunden über den Möbelhandel werden transparent und aktualisiert in digitaler Form über Schnittstellen unserem Produktions-System zur Verfügung gestellt. Sogar eine Reklamation des Endkunden soll im Detail bis zum Unterlieferanten rückverfolgbar sein.

Wir haben deswegen das Paradigma des Mittelstandes gewechselt: statt bis zu jedem Cent den Fertigungsprozess zu optimieren, um einen „Cost Leadership“ zu erzielen, haben wir uns auf eine „Time to Market“ Strategie fokussiert. Dank der Digitalisierung und dann der Optimierung der Logistik-Prozesse konnten wir unsere Lieferzeiten deutlich reduzieren.

M.L. : was sind für Sie die Hauptergebnisse des Projektes?

G.B. : um nur eines davon zu erwähnen, würde ich sagen: das Konzept der „5 Tage Küche“. Nehmen wir an, dass Sie eine neue kundenspezifische Küche in Deutschland schnell bekommen möchten. Sie brauchen nur am Montag zu einem unserer Möbelhaus-Partnern zu gehen und Ihr Küchenmodell mit Ihrer personalisierten Ausstattungen dort zu bestellen, um Ihre Küche innerhalb 5 Tage zu Hause zu bekommen!

M.L. : welche waren die größeren Herausforderungen für Sie als Geschäftsführer?

G.B. : erstmal muss man schon sehen, dass ein solches Projekt nur gelingt, wenn interdisziplinär über alle Bereiche sowohl im Handel, als auch bei unseren Lieferanten, als auch in der eigenen Firma der Gesamtprozess im Sinne der Endkunden betrachtet wird. Es gab mehrere Hauptherausforderungen, denen ich mich gestellt habe:

  • Die Gestaltung von interdisziplinären Teams über die gesamte Wertschöpfungskette
  • Die Rekrutierung eines Projekt-Leiters, der nicht nur die Produktion verantworten, sondern auch sehr gute EDV-Kenntnisse haben sollte
  • Der permanente Fokus auf den globalen Prozess, im Sinn des Endkunden
  • Ein beträchtliches persönliches Engagement, um sowohl intern als auch extern zu überzeugen: z.B. um den Markt oder die Händler zu überzeugen, dass dieses Projekt die Qualität der Aufträge deutlich verbessert
  • Die Fähigkeiten meiner engsten Mitarbeiter zu unterstützen, sich in „Marketing“-Agenten für das Projekt umzuwandeln und einem neuen Führungsstil zu installieren, der ermöglicht, dass unsere Mitarbeiter/innen die Verantwortung, mehr selbständige Entscheidungen zu treffen, akzeptieren.

M.L. : wie hat die Mannschaft auf die Veränderung der Arbeitsplätze im Unternehmen reagiert?

G.B. : während der Projektkommunikation gegenüber der Belegschaft, habe ich darauf hingewiesen, dass wir von unserer verbesserten Produktivität profitieren sollten, um mehr Kundenaufträge zu gewinnen. Und genau das ist passiert. In der Tat merke ich den Stolz unserer Mitarbeiter/innen über die Endkunden, die überrascht sind von der 5 Tage Küche.

Ganz pragmatisch sehen wir bei unseren Jobs einen Trend „weg von manuellen Tätigkeiten“ in Richtung „Informationsjongleure“. Jeder/e Mitarbeiter/in lebt Stück für Stück die Unternehmenskultur, die ich während des Projekts als fruchtbaren Boden entwickeln wollte: er/sie fühlt sich als Mitglied eines Familien-KMUs bei dem das Unternehmertum gefördert wird und das Nachhaltigkeit durch zukunftsfähige Investitionen in die Prozesse sucht.

M.L. : was müssen Ihrer Meinung nach KMU-Geschäftsführer, die eine digitale Transformation anstreben, berücksichtigen?

G.B. : wenn sie bereits über eine Vision für ihr Projekt verfügen, werden sie folgendes tun müssen:

  • Interne und externe Partner auswählen, die einen echten Willen haben, diese weiter zu entwickeln
  • Sich persönlich dauerhaft engagieren, um die Personen, die Strukturen, oder die im Projekt involvierten Unternehmen zu begeistern und zu überzeugen, an einem zwar globalen Prozess zu arbeiten, der aber im Interesse der gesamten Wertschöpfungskette optimiert sein soll.
  • Diesen Akteuren zeigen, dass sie letztendlich die strategischen Gewinner des Projektes sein werden.

Sie werden sich dennoch über das Ausmaß und die Komplexität der Aufgabe, die zu erledigen ist, voll bewusst sein müssen. Ich ermutige sie, z.B. Meinungen und Kompetenzen von spezialisierten Verbänden zu nutzen.

M.L. : welchen nächsten digitalen Traum haben Sie für Ihr Unternehmen?

G.B. : der alte Traum der achtziger Jahre unserer Industrie wurde verwirklicht: die Daten des Endkunden zu standardisieren, ihm zu ermöglichen, mit vollen Transparenz und in Echtzeit seine Lieferung und sogar seine Reklamation zu verfolgen. Ein anderes Unternehmen, dass ich auch leite, „pures Bad“ weist einen ergänzenden Weg: intelligent die Produktion zu automatisieren, um ihr mehr Flexibilität zu verleihen.

Mein nächster Traum ist, die Web-Daten der Endkunden sowohl graphisch als auch kommerziell zu verwenden, um damit auch die Begeisterung der Händler von Küchenmöbel-Häusern endgültig zu gewinnen. Ich bin mir sicher, dass wir zukünftig sogar die Geschmacksrichtung der Endkunden durch die Analyse ihrer Online verfügbaren Daten vorausschauen können werden.

Interview von Michel LANFRANCA, executive coach bei VISCONTI

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